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Sonderausstellung: „Gropius spaziert"

Ausstellung: „Gropius spaziert – Eine reisende Installation“
von Katharina Hohmann (Weimar/Genf)

**ab 28.11.2009 im Kragstuhlmuseum Lauenförde**

Zur Bauhausausstellung 1923 wurde das „Gropiuszimmer“ nicht
fertig. Lediglich zwei Schwarz-Weiss-Fotos sind davon erhalten; die Möbel, bis
auf den Schreibtisch, sind nicht mehr vo...rhanden. Im Jahr 2009 reist der
künstlerische Nachbau von Katharina Hohmann an andere Gropius-Orte und passt
sich räumlich an. Die Reise beginnt in Weimar und erzählt an historischem Ort,
in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler“, gleich zweifach von der Vertreibung des
Zeitgenössischen, aber auch von den Utopien der Moderne.

Katharina Hohmann, die sich in ihren Installationen häufig
mit der Frage nach der Divergenz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit,
zwischen Plan und Ausführung, zwischen freiem Denkraum und real konstituiertem
Lebensraum beschäftigt, geht in der Installation „Gropius spaziert …“ der Frage
nach, inwieweit Philosophie und Design der Moderne als aus Zeit und Ort heraus
gelöste Konstrukte in der Lage sind, die Idealvorstellungen der Zeit ihrer
Entstehung noch immer zu verkörpern. Sie untersucht die Erkennbarkeit der
einflussreichen geistigen Positionen und zeichnet den Weg und die Ausstrahlung
einer der wichtigsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts nach. Das Bauhaus
als Utopie spiegelt sich aber auch in seinem Verhängnis, immer wieder auf der
Flucht vor seiner gesellschaftlichen Nichtakzeptanz zu sein. Die Installation
hat die Anmutung einer Lager- bzw. Umzugssituation, die in der Schwebe lässt,
ob es sich um Ankunft oder Abreise handelt.

Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung ist das vom
Architekten, Begründer und ersten Direktor des Staatlichen Bauhauses, Walter
Gropius (1883-1969), entworfene, aber nur in Teilen ausgeführte Direktorenzimmer.
Als das Bauhaus 1925 Weimar verlässt, nimmt Gropius die Einrichtung mit. Das
Mobiliar, die Deckenbeleuchtung und die textilen Elemente finden in dieser
Konstellation nie wieder zusammen. Einzig der Schreibtisch ist heute noch im
Original in den USA – in Lincoln, Massachusetts – im einstigen Wohnhaus
Gropius’ erhalten. Nach alten Zeichnungen, Fotografien und Farbbefunden konnte
das Direktorenzimmer 1999 im Auftrag der Bauhaus-Universität Weimar
rekonstruiert werden.

In Katharina Hohmanns Arbeit „IDEE/REVISION/1923:2008“ wird
hauptsächlich der Text: „Idee und Aufbau des Staatlichen Bauhauses“ (1923) zur
Bauhausgründung von Walter Gropius zerlegt und auf seine Sprache sowie seine
Inhalte hin untersucht. Die Revolution scheint aber auch hier vorbei zu sein,
wie abgestellt wirken die Schilder – trotz ihrer zwiespältigen, inhaltlich
immer noch relevant erscheinenden Diskurse.

Bestandteil der Installation sind vier Videoprojektionen, an
denen Lorenz Claussen (Schauspieler), Olaf Helbing (Schnitt), Peter Oschmann
(Interviewpartner), Therese Rohde (Führerin) und Miriam Visaczki (Kamera)
mitgearbeitet haben.

Die Serie dieser künstlerischen Videos wird an den
jeweiligen Stationen der Ausstellung 2009 erweitert. Geplant sind folgende
Stationen: das Museum der Fagus-Werke in Alfeld (Hannover), Stuttgart, Zürich,
Lauenförde (TECTA Kragstuhlmuseum) und Berlin (Gropius Gesamtschule).

Zur Ausstellung sind ein Katalog, ein Postkartenbooklet,
Plakat und Karte unter Mitarbeit von Anki Hannemann, Isolde Nagel, Carina
Lange, Ursula Seeger und Fritz v. Klinggräff entstanden.

 

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